Consulting im Bereich Nachhaltigkeitskonzept

Aus einem lokalen StartUp mit Nachhaltigkeitsgedanken wird eine Online-Handelsplattform

 

Ich habe mit meinem Unternehmen im Jahr 2015 einer Bonner Studentin im Rahmen eines StartUp-Invests die Möglichkeit eröffnet aus ihrer bereits lokal erfolgreichen Gründungsidee ein skalierbares Business entstehen zu lassen.

Ihre Geschäftsmodell bestand im Ursprung darin, Kinderwagen von Privatpersonen anzukaufen, welche für ein Kind und höchstens zwei Jahre lang in Benutzung waren.

Die angekauften Kinderwagen wurden in der hauseigenen Werkstatt von einem Techniker überprüft und instandgesetzt sowie einer Tiefenreinigung unterzogen. Anschließend wurde die Kinderwagen als SecondHand-Ware über das eigene Geschäftslokal an werdende Eltern verkauft.

Mich hat neben der hervorragenden Skalierbarkeit des Geschäftsmodells bereits damals der Nachhaltigkeitsgedanke beeindruckt.

Mein Ansatz zum rasanten Ausbau dieser Geschäftsidee war es: „Was lokal auf eine starke Nachfrage trifft und im zentralen Gedanken das Thema Nachhaltigkeit trägt, wird auch deutschlandweit und gegebenenfalls in den Nachbarländern funktionieren.“

Wir haben haben im Jahr 2018 eine Online-Plattform in Deutschland lanciert, die genau das abgebildet hat, was lokal im Rheinland bereits praktiziert wurde. Der Ankaufsprozess war deutschlandweit digitalisiert. Die Kinderwagen wurden über Versandlogistiker in den Privathaushalten abgeholt und nach Aufbereitung, in der dann schon um ein Vielfaches vergrößerten Bonner Werkstatt, auch wieder online weiterverkauft.

Ich selbst habe im Jahr 2018 dann die vollständigen Anteile des Unternehmens erworben.

Die Perspektiven waren weiteres Wachstum der Webplattform, eigene Logistik und Filialisierung des Businessmodells als Franchise-Konzept.

Wir haben seinerzeit im lokalen Bonner Geschäft durchschnittlich 15 SecondHand-Kinderwagen pro Woche verkauft.

 

Pressebericht aus dem Bonner Generalanzeiger von 2018.

 

Über unsere Web-Plattform waren es deutschlandweit durchschnittlich schon 120 Wagen pro Woche. Bei einem Umsatz von rund EUR 4,1 Mio. zwar beachtlich aber in Anbetracht von durchschnittlich 15.000 Geburten pro Woche in Deutschland doch noch ein sehr geringer Marktanteil.

Bis zum Ende des Jahres 2020 haben wir die Online-Plattform sowie die internen Abläufe optimiert. Das Unternehmen brachte es dann schon auf einen stolzen Jahresumsatz von gut EUR 13 Mio. bei einer Verkaufsstückzahl von rund 23.000 Kinderwagen im Jahr. Damit lagen wir bei einer absoluten Geburtenzahl im Jahr 2020 in Deutschland von 773.144 Kindern, bei einem Marktanteil von 3%.

Die Expansionspläne für die D/A/CH-Region inklusive eines entsprechenden Franchise-Konzeptes waren gerade fertiggestellt, als ein namhafter Hersteller, der unsere Entwicklung aufmerksam verfolgt hatte an uns herantrat. Er offerierte uns ein Kaufangebot, welches in Zeiten der Corona-Pandemie unwiderstehlich hoch war.

Die Pläne, die er verfolgt hatte, waren durchaus plausibel und dem Gesamtkonzept im Sinne der Erhaltung von Arbeitsplätzen auch während der Corona-Pandemie-Zeit zuträglich.

Aufgrund persönlicher Veränderungen habe ich mich zu diesem Zeitpunkt dann von dieser Unternehmung getrennt.

Was zum Ende des Jahres 2021 folgte, war der Weiterverkauf der gesamten Online-Handelsplattform an einen asiatischen Investor, der die Plattform mittlerweile in Europa abgeschaltet hat. Da es Verbindungen zwischen diesem Investor und den größten Produktionsstätten für neue Marken-Kinderwagen gibt, ist zu vermuten, dass die SecondHand-Plattform aus strategischen Gesichtspunkten abgeschaltet werden sollte.

Das ist für diese Erfolgsgeschichte leider eine sehr traurige Entwicklung. Es zeigt aber einmal mehr, dass Unternehmer und Gründer die mit Herzblut eine Sache betreiben dies auch, wenn möglich, nicht in fremde Hände geben sollten.